Sonntag, 17. März 2013

Interview/Alex Winter (bookshouse)


Einen wunderschönen guten Morgen Euch allen.

Es ist wieder Sonntagmorgen und das heißt, dass ich wieder einmal einen Gast auf meiner virtuellen Couch begrüßen darf.
Heute heiße ich Alex Winter bei mir willkommen.  Alex hat im Februar dieses Jahres, mit seinem Krimi „Ein Gespür für Mord“, sein Debüt bei bookshouse gestartet.

Hallo Alex,
schön, dass Du heute Zeit gefunden hast, bei mir hier auf meiner Couch zu sitzen und Rede und Antwort zu stehen.

Die Freude ist ganz auf meiner Seite, Beate. Und es sitzt sich auch sehr bequem auf deinem virtuellen Sofa. ;-)


So, dann würd ich sagen, fangen wir direkt mal an.



In Deiner Vita hab ich gelesen, dass Du schon unheimlich viel herumgekommen bist. Hast Du das aus beruflichen Gründen getan oder weil Du gerne unterwegs bist, um andere Kulturen kennenzulernen? 
Das Zweite. Zwar bin ich unterwegs hier und da auch in Jobs gerutscht, dies aber immer ohne es zu planen – was sie vermutlich jeweils auch so spannend gemacht hat. An meine allererste Reise erinnere ich mich allerdings mit ziemlich gemischten Gefühlen. Ich kam krank in Australien an, dann, kaum einer Woche unterwegs, krachte ein großer Eukalyptusbaum der länge nach über das eben gekaufte Auto und ich konnte gerade noch zur Seite springen. Etwa in dem Stil ging es dann ein Jahr weiter. Wieder Zuhause, schwor ich mir, nie mehr down under! Ein Woche später bekam ich die Reise-Dias – und auch gleich wieder feuchte Augen. Ein knappes Jahr später war ich schon wieder für 14 Monate in Australien und der Südsee unterwegs. Da hat mich das Reise-Virus endgültig erwischt …


Australien war bisher in jedem Deiner Romane vertreten. Warum hast Du Dich ausgerechnet bei Deiner Krimireihe auf Australien konzentriert? 
Down under übte schon als Kind eine große Faszination auf mich aus. Ich verschlang alles, was es darüber zu lesen gab. Warum? Vermutlich weil Australien früher noch so weit weg war, seine Flora und Fauna so exotisch. Unter den Büchern, die ich damals las, waren natürlich auch die Australienkrimis von Arthur W. Upfield, die zwischen 1929 und 1966 entstanden und Klassiker der Australischen Kriminal-Literatur sind. Upfield war fasziniert von der australischen Natur und den Menschen im Outback, und er verstand es meisterlich, dies in seine Romane einzubinden. Danach gab es nie mehr etwas Vergleichbares im Australienkrimi. Und da ich nun mal Krimis mag und der unberührten, wilden Natur Australiens, seiner Weite, Einsamkeit und Ruhe verfallen bin, was lag näher als Australienromane zu schreiben …?


Deine Werke sind ja schon 2005 beim Knaur Verlag veröffentlicht worden. Warum wurde jetzt diese Buchreihe neu bei bookshouse verlegt? 
In der Zeit, als die ersten drei Bände bei Knaur erschienen,
ließ das Leserinteresse für Australienkrimis gerade stark nach, dafür standen z.B. Krimis aus dem Norden ganz hoch im Kurs. Der Verlag diskutierte lange darüber, ob die Reihe trotzdem weitergeführt werden sollte, denn sowohl die Leser als auch die Pressestimmen waren sehr gut. Letztendlich siegten aber die wirtschaftlichen Interessen.
Das war ziemlich frustrierend, und es brachte mich auch in eine Zwickmühle. Sollte ich eins meiner anderen Projekte in Angriff nehmen oder der Bitte meiner Leser nachgeben, die Reihe weiterzuführen, auch wenn ich wusste wie schwer es werden würde, nach Knaur einen anderen Verlag dafür zu finden.
Die Antwort war eine 1 ½ jährige Reise, in der ich unter anderem für die weiteren Daryl Simmons-Krimis und einen historischen Australien-Roman recherchierte. Nach meiner Rückkehr schrieb ich den 4. Simmons-Band, außerdem hatte ich das große Glück, mit bookshouse auf einen tollen, innovativen Verlag zu stoßen, der an den Erfolg meiner Reihe glaubt - und bisher damit auch recht behalten hat. (Anmerkung: „Ein Gespür für Mord“ rangierte nach Veröffentlichung bei bookshouse 4 Wochen in den Amazon Top-100, bei den Krimis und Thrillern in den Top-20)

Wow, super! Das freut mich für Dich J


Hast Du denn auch schon andere Projekte, an denen Du arbeitest? 
Im Augenblick haben Daryl Simmons und ich gerade alle Hände voll mit seinem 5. Fall zu tun. Daneben überarbeite und erweitere ich zusammen mit bookshouse die Bände 2-4, die noch im Laufe diesen Jahres erscheinen werden. Außerdem wird im Herbst von mir noch ein Action-Thriller bei bookshouse veröffentlicht, der in der Schweiz, Deutschland und England, vor allem aber – wie könnte es anders sein – in Australien handelt.


Wie muß man sich denn Deinen Arbeitsalltag als Autor vorstellen? Hast Du bestimmte Rituale? 
Ich schreibe ausschließlich tagsüber, mit Blick zwischen meinen geliebten exotischen Pflanzen auf Viehweide und Pferdekoppel. Zu meiner Linken: Ein Thermoskrug mit Grüntee, zur Rechten der obligate Stapel Notizen und Bücher, die mindestens einmal pro Tag vor der Schwerkraft kapitulieren. Im Hintergrund läuft, je nach Stimmung, ganz unterschiedliche Musik. Zwischendurch gibt’s auch mal einen Standortwechsel aufs Sofa im Wohnzimmer, an den Esstisch, oder raus auf die Terrasse. Auf Letzteres freu ich mich schon seit Wochen wie ein Kookaburra auf ein unbewachtes Hammelkotelett in der Pfanne.


Ich habe jetzt schon von einigen Autoren gehört, dass sie von bestimmten Szenen oder Inhalten ihres Buches vorher geträumt haben. War das bei Dir auch der Fall oder machst Du Dir grundlegend vorher Gedanken darüber, über was Du schreiben möchtest.
Bei mir ist das so: Habe ich eine Idee zu einem Buch – das kann wie bei der Simmons-Reihe eine ausgefallene Mordmethode, ein ungelöstes Geheimnis der australischen Geschichte oder sonst etwas sein – entwickle ich drum herum die Geschichte. Anschließend erstelle ich ein Exposé der Story, von dem ich aber mitunter auch abweiche, sowie Steckbriefe aller Roman-Figuren. Ergeben sich nun im Laufe des Schreibens Probleme, konzentriere ich mich auf diese, wenn ich zu Bett gehe. Im Schlaf / Halbschlaf lösen sich diese Probleme dann wie von selbst und die einzelnen Teile fügen sich wie in einem Puzzle zusammen.


Da Du ja schon viele Länder bereist hast, kam Dir nie der Gedanke mal ein Buch über Deine Erlebnisse und Erfahrungen bei Deinen Reisen zu schreiben? 
Ganz ehrlich? Nein. Nicht, dass es keine Geschichten zu erzählen gäbe. Aber wenn ich reise, tue ich das für mich. Ich finde, Reisen ist etwas ganz persönliches und intimes. Ich kann zwar jemandem davon erzählen, im Fotos oder Videoaufnahmen zeigen, aber letztendlich ist das nur ein kleiner Teil des Ganzen. Natürlich erzähle ich auch mitunter von meinen Erlebnissen und Erfahrungen, wenn mich jemand danach fragt. Aber im Großen und Ganzen sind sie mein ganz privater Schatz.


Könntest Du Dir vorstellen, ein Buch in einem kompletten anderen Genre zu schreiben, beispielsweise ein Kinderbuch? 
Ja. Ich habe bereits mit einem historischen Australienroman begonnen, der aber nun erst einmal wieder in die Schublade gewandert ist – Daryl Simmons hat Vorrang. Auch Kreisen die Gedanken schon lange um einen Endzeitthriller.
Was ich sicher nie schreiben könnte, sind Liebesromane oder Kinderbücher. Nichts gegen diese Genres – aber die liegen mir einfach nicht.


Welche Bücher liest Du denn gerne? Gibt es einen Lieblingsautor? 
Ich mag Krimis und Thriller, daneben aber auch Bücher über Bushfood, Reisen, ferne Länder oder Fachliteratur über Forensik, Gesicht- und Gefühlserkennung. Lieblingsautoren gibt es einige. Arthur W. Upfield gehört auf jeden Fall dazu.


Welches Land würdest Du denn gerne mal bereisen in naher oder ferner Zukunft? 
Island! Obwohl ich ein Kind der Sonne bin und es mir nicht heiß genug sein kann, bin ich fasziniert von der urtümlichen, wildherben Schönheit dieser Insel. Der Traum soll übrigens nächstes, spätestens übernächstes Jahr in Erfüllung gehen. Im Moment baue ich gerade meinen Landcruiser um, damit er auch einer längeren Reise in kühlere Gefilde gewachsen ist.


Beschreibe Dich bitte mit 5 Wörtern?
 Nächste Frage, bitte …

Gute Antwort ;)


Sag, unseren Lesern und mir, warum man Dein Buch lesen sollte. 
Man soll nicht, man darf. Wer Australien mag oder kennt, wird, was Land und Leute angeht, bestimmt voll auf seine Kosten kommen. Und wer down under nicht kennt, nun, der erfährt einiges über das Outback und über die Aborigines. Die Reihe hat ja einen starken Ethno-Touch. Das alles verpackt in, wie ich hoffe, spannende und auf jeden Fall ungewöhnliche Mordfälle.


Wie ist der Protagonist „Daryl Simmons“ entstanden? 
Für mich war von Anfang an klar, dass dies keine gewöhnlich Krimi-Reihe werden würde. Ich wollte das, was ich an Australien liebe und was mich an diesem Kontinent so fasziniert, mit in die Geschichten einbringen. Die Fälle sollten daher vor allem im Outback spielen, die australischen Ureinwohner, deren Kultur ich sehr bewundere, einen festen Platz darin haben und der Protagonist eine besondere Persönlichkeit sein, die im Outback aufgewachsen und mit den Aborigines vertraut ist. Gleichzeitig sollte er, wie jeder von uns, seine Stärken und Schwächen haben. Damit war der Grundstein gelegt. Daryl, als einziger weißer Junge in einer Aborigine Community aufgewachsen, wo seine Eltern Tankstelle und Store führten, wird von einem Aborigine-Lehrmeister, Ungjeeburra, unter seine Fittiche genommen und absolviert heimlich die Initiationsriten des Pintubi-Stammes. Fortan schlagen in Daryl zwei Herzen, was ihm hilft ganz anders an seine Fälle zu gehen, als gewöhnliche Polizisten.
Dass Daryl letztendlich auch manchen Charakterzug von mir „geerbt“ hat, war allerdings nie beabsichtig, es hat sich einfach so ergeben. Es erleichtert mir aber heute enorm, mich – egal in welcher Situation – in ihn hineinzufühlen.


Wer inspiriert Dich denn bei Schreibblockaden? Man hört diese Frage ja ziemlich oft, aber gibt es wirklich Blockaden bei dem der Autor, oder besser gesagt Du in diesem Fall, überhaupt nicht weiter weiß? Ich persönlich kann es mir unheimlich schlecht vorstellen. 
Das kann ich nicht beantworten, ich hatte noch nie eine – und wenn ich ehrlich bin, glaube ich auch nicht, dass es das wirklich gibt. Die Gründe, dass man beim Schreiben nicht weiterkommt, liegen meiner Meinung nach entweder darin, dass man abgelenkt ist, sei das durch Sorgen, Stress oder dergleichen, dass man mit seiner Geschichte nicht zufrieden ist, entweder, weil man sie nicht gut genug durchdacht hat oder man nicht den richtigen Zeitpunkt zum Schreiben erwischt hat. Für mich habe ich beispielsweise herausgefunden, dass es absolut keinen Sinn macht, mich abends oder nachts ans Laptop zu setzen. Auch muss ich meine Geschichten zunächst als komplettes Exposé, also von Anfang bis zum Ende, aufgeschrieben haben, sonst komme ich nicht voran.


So, jetzt zum Schluss noch eine eher persönliche Frage von mir. Welchen Grund kannst Du mir sagen, warum man ausgerechnet mal nach Australien reisen sollte? 
Da könnte ich dir natürlich nur eine ganz subjektive Antwort geben – und das möchte ich nicht. Nur soviel: Australien ist enorm abwechslungsreich. Ob Städtejunkies, Naturliebhaber, Sportverrückte, Abenteurer, Kulturbegeisterte, Tierfreunde, Botanikfans, Badeenten, 4x4-Entusiasten …: Jeder findet in down under sein Glück.



Ich hatte es schon immer mal vor, aber wie das so im Leben ist, es kommt immer etwas dazwischen. Ich liebe dieses Land und meine Tochter wollte, wenn sie erwachsen ist, dort wohnen und Schafe züchten. J 
Sag Bescheid, wenn sie ihren Traum wahrgemacht hat. Ich komme gerne und helfe mit. Aber ich muss sie warnen; ich lieeebe Lammkoteletts …
Nein, im Ernst: Ich sage immer, das Leben ist eine Reise, die mit der Gewissheit enden sollte, dass man sie genossen hat. Also, warte nicht, bis es zu spät ist. Wenn du nach down under reisen möchtest, dann findet sich auch ein Weg.



Vielen lieben Dank Alex, das ich Dich heute zu Besuch auf meiner virtuellen Couch hatte und Du mir fleißig geantwortet hast. Ich wünsche Dir  alles Gute und dass Du vielleicht mal zu einem Bestsellerautor wirst. Aber am meisten wünsche ich Dir Gesundheit. Es hat mir Spaß gemacht, mit Dir dieses Gespräch zu führen. 
Die Freude war ganz auf meiner Seite, liebe Beate. Und: das mit dem Bestsellerautor wäre natürlich toll, aber gesund und glücklich zu sein, stelle ich allemal vorne an. Ich wünsche Dir, privat wie beruflich, alles Gute. Weiterhin viel erfolg mit deinen Interviews und Rezensionen, in die ich übrigens immer wieder gerne reinschaue.



Wer noch mehr über Alex Winter wissen möchte, kann dies mit den unten angegeben Links machen.




Zurzeit läuft auf ebay bis zum 19. März 2013 um 17.09 Uhr, auch eine Versteigerung zugunsten der Kinderschutz O.A.S.E.






Mehr dazu findet Ihr hier.



Im April erscheint auch der 2. Fall von „Daryl Simmons“.



Um mehr darüber zu erfahren müsst Ihr einfach hier klicken. 



Ich bedanke mich bei allen Lesern, die mit großem Interesse, dass Interview mit Alex Winter, gelesen haben. 
Ich hoffe, dass es Euch genauso viel Freude bereitet hat, wie mir.

Ich wünsche Euch allen noch einen verschneiten, schönen Sonntag. 

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